Bauen, als ob es ein Morgen gäbe: Klimaneutralität in der Baubranche

Klimaneutralität in der Baubranche

03.06.22 – Der Klimawandel ist nicht länger ein erschreckendes Zukunftsszenario, sondern schon heute spürbar. Die Weltgemeinschaft steht jetzt in der Verantwortung, die Folgen der Erderwärmung abzumildern. Dabei kann die Baubranche mit seinen Produkten einen wichtigen Beitrag zum Erreichen weltweiter Klimaschutzziele leisten – wenn wir jetzt handeln.

Der Einfluss der Baubranche ist groß: Weltweit verursachen Gebäude fast 40 Prozent der gesamten CO2-Emissionen. Allein in Deutschland verbraucht der Bausektor jährlich rund 550 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe und verantwortet rund 55 Prozent des deutschen Abfallaufkommens – mit steigender Tendenz. Damit gehört der Bausektor zu den emissions- und ressourcenintensivsten Wirtschaftszweigen, aber auch zu den Branchen mit großem Potenzial für eine nachhaltige Ausrichtung.

Gebäude als Rohstoffdepots der Zukunft

Bei Schüco wollen wir diesen großen Hebel bestmöglich nutzen. Auch wenn unsere Produkte beim Bau und Betrieb nur Teil eines großen Komplexes sind, können sie dennoch dazu beitragen, dass in Zukunft ressourcenschonender und energieeffizienter gebaut wird. Deshalb setzen wir bei unseren Produkten nicht nur auf hohe Qualität, um eine größtmögliche Lebensdauer zu ermöglichen, sondern auch auf funktionierende Kreislauffähigkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen.

Wir bei Schüco sind überzeugt: Gebäude sind die Rohstoffdepots der Zukunft. Deshalb treiben wir den Übergang von einer linearen zu einer zirkulären Bauweise, also zu geschlossenen Wertstoffkreisläufen, aktiv voran. Das machen wir, indem wir zum Beispiel bei unseren Produkten auf die Materialgesundheit der eingesetzten Inhaltsstoffe achten und ihr Wiedernutzungspotenzial steigern. Deshalb ist bereits ein Teil unserer Aluminiumsysteme nach dem Cradle-to-Cradle (C2C)-Prinzip zertifiziert worden. Die Produkte erfüllen damit höchste Ansprüche an die Unbedenklichkeit ihrer Inhaltsstoffe und können nach der Nutzungsphase beliebig oft in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden. Mit insgesamt 55 zertifizierten Aluminiumsystemen in unserem Portfolio gehört Schüco zu den Vorreitern der Branche bei der Umsetzung des Cradle-to-Cradle-Prinzips. Aber auch unsere Kunststoffprodukte erfüllen hohe Ansprüche in Bezug auf Kreislauffähigkeit und Reduktion von Emissionen – das bestätigt auch die Auszeichnung mit dem VinylPlus Produkt Label, die Schüco als erstes Unternehmen der Branche erhalten hat.

Doch diese Konzepte allein reichen nicht aus, um eine funktionierende Kreislaufwirtschaft in der Baubranche umzusetzen. Um die Rücknahme von Produkten für den Hersteller attraktiv zu machen und die Rückführung von Materialien in den Wertstoffkreislauf so unkompliziert wie möglich zu gestalten, braucht es vor allem funktionierende Sammel- und Rückführungssysteme. Schüco engagiert sich deshalb bereits seit vielen Jahren über die Brancheninitiativen A/U/F und Rewindo dafür, die Wertstoffkreisläufe von Aluminium beziehungsweise Kunststoff zu schließen – damit aus einem Fenster wieder ein Fenster wird.

Unser Ziel: Ganzheitliche CO2-Neutralität bis 2040

Aber nicht nur unsere Produkte tragen aktiv zu mehr Klimaschutz und Ressourcenschonung bei, auch im gesamten Unternehmen soll eine nachhaltige Transformation erfolgen. Bereits bis 2025 wollen wir weltweit unsere CO2-Emissionen um 30 Prozent im Vergleich zu 2018 reduzieren. Unser Gesamtziel ist Klimaneutralität bis 2040. Bei der Umsetzung unterstützt uns der WWF, der seit 2018 unser kritischer und kompetenter Partner für mehr Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft ist und der konstruktiv unsere ambitionierten Ziele und Maßnahmen prüft. So stellen wir sicher, dass wir lösungsorientiert arbeiten. Die hinter den Zielen stehenden absoluten CO2e-Einsparungen wurden von der Science Based Targets initiative (SBTi) geprüft und als wissenschaftsbasiert anerkannt. Das heißt, dass sie dem Dekarbonisierungsgrad entsprechen, der aus Sicht der Klimawissenschaft erforderlich ist, um das 1,5-Grad-Limit einzuhalten.

Wie ambitioniert unsere Ziele sind, zeigt ein Blick auf die Zusammensetzung unserer Emissionen: Auf den größten Teil haben wir keinen Einfluss, denn etwa 99% der Emissionen entstehen in unserer Vor- und Nachkette und damit außerhalb unseres Unternehmens. Um unsere Ziele trotzdem zu erreichen, brauchen wir also die Unterstützung unserer Lieferant:innen, Kund:innen und Partner:innen. Ein besonders großer Anteil unserer indirekten CO2-Emissionen entfällt dabei auf unsere Werkstoffe, denn Aluminium und Kunststoff verbrauchen in der Herstellung viel Energie. Hier müssen wir sukzessive auf Low Carbon Material umstellen, damit wir unsere Emissionen merklich verringern.

Dafür braucht es auch die Unterstützung der Politik, damit günstige Rahmenbedingungen für die gesamte Baubranche geschaffen werden und energieintensive Produkte, wie zum Beispiel Beton, Stahl, Kunststoff oder Aluminium, CO2-ärmer und in Zukunft sogar vollständig CO2-neutral hergestellt werden können – etwa durch die Verwendung von Ökostrom und grünem Wasserstoff. Auch die Förderung von alternativen und nachwachsenden Rohstoffen als mögliche Baustoffe kann in Zukunft dazu beitragen, den CO2-Fußabdruck der Baubranche zu reduzieren.

Bei unseren eigenen, direkten Emissionen haben wir bereits erste Erfolge erzielen können: So haben wir zum Beispiel die Emissionen im Transportwesen reduziert, indem wir unsere Lkw auf eine Geschwindigkeit von 80 km/h gedrosselt und mit unseren Fahrern ein spezielles Training absolviert haben – denn wer vorausschauend fährt, verbraucht weniger Sprit und schont so die Umwelt. Bereits 2012 haben wir an unseren Standorten in Deutschland auf grünen Strom umgestellt. Damit ist es seitdem gelungen, die strombezogenen Emissionen auf weniger als 10 Prozent des bisherigen Wertes zu senken. Insgesamt haben wir unsere direkten Emissionen seit 2011 um 66% reduziert.

Nachhaltigkeit ganzheitlich gedacht

Indem wir uns an den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen orientieren, gehört zu unserem Nachhaltigkeitsverständnis aber weit mehr als nur Klimaschutz und Ressourcenschonung. Wir verstehen Nachhaltigkeit ganzheitlich, deshalb spielen auch soziale Aspekte, wie eine nachhaltige Lieferkette, ein fairer Umgang mit unseren Mitarbeitenden und unsere Verantwortung als Teil der Gesellschaft eine Rolle.

Trotz unserer bisherigen Fortschritte sind wir uns sehr wohl bewusst, dass wir noch nicht auf alles eine klare Antwort haben, aber wir sagen offen, wenn etwas nicht klappt und berichten in unserem zweijährlich erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht transparent über unser Handeln. Auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Bauwirtschaft werden wir sicherlich nicht alles sofort richtig machen, denn für diese Art der Veränderung gibt es noch keine Blaupause, die wir einfach übernehmen können. Wichtig ist für uns, aus Erfahrungen und auch aus Fehlern schnell zu lernen und neue Herausforderungen anzunehmen, damit wir immer besser werden. Deshalb krempeln wir die Ärmel hoch und setzen Impulse – Tag für Tag.


Autor: Henning Jünke, Head of Sustainability, Schüco International KG – Als gelernter IT-Systemkaufmann und Master of Communications and Advertising befasst sich Henning Jünke seit 2004 mit dem Thema Nachhaltigkeit. Nachdem Henning Jünke bei Schüco bereits mehrere Jahre für die Nachhaltigkeitskommunikation zuständig war, ist er dort seit Anfang 2020 Head of Sustainability. Gemeinsam mit seinem Team will er dazu beitragen, dass Schüco den Einfluss der Baubranche beim Klimaschutz effektiv nutzt – zum Beispiel mit ambitionierten Klimaschutzzielen, einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz sowie kreislauffähigen und energieeffizienten Produkten.

Foto: © Pixabay / rhythmuswege

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